Warum werde ich auf der Gitarre nicht besser?

Zwei Männer sitzen in einem Haus zusammen; einer spielt eine akustische Gitarre, während der andere auf die Bünde zeigt und seine Finger führt. An der Wand im Hintergrund hängen Musikinstrumente, die auf einen Musikunterricht oder eine Übungsstunde hindeuten. Gitarrenschule Wien

Du übst. Wirklich. Vielleicht nicht jeden Tag, aber regelmäßig. Und trotzdem hast du das Gefühl, seit Monaten auf der Stelle zu treten. Die Akkorde klingen noch immer nicht sauber. Der Wechsel klappt nicht flüssig. Und langsam fragst du dich: Liegt es an mir? Bin ich einfach nicht talentiert genug?

Kurze Antwort: Nein. Es liegt fast nie am Talent.

In meinen über 16 Jahren als Gitarrenlehrer in Wien habe ich dieses Muster bei Erwachsenen unzählige Male erlebt – und fast immer steckt einer von fünf konkreten Gründen dahinter. Die gute Nachricht: Alle fünf lassen sich lösen.

1. Du übst das Falsche – oder auf die falsche Art

Das ist der häufigste Grund überhaupt. Viele Erwachsene, die selbst lernen, üben das, was sie schon können. Weil es sich gut anfühlt. Weil man dabei Erfolgserlebnisse hat. Aber echte Fortschritte entstehen genau dort, wo es sich noch nicht gut anfühlt – an den Stellen, die noch hakeln.

Gezieltes Üben bedeutet: Einen bestimmten Übergang, einen schwierigen Griffwechsel oder ein konkretes Tempo so lange wiederholen, bis es sitzt. Nicht das ganze Stück von Anfang bis Ende durchspielen und hoffen, dass es irgendwann besser wird.

Was du tun kannst: Nimm die eine Stelle, die dich aufhält, und übe nur diese – langsam, bewusst, mit einer Wiederholung nach der anderen. Zehn Minuten gezieltes Üben bringen mehr als eine Stunde Durchspielen.

2. Du übst zu schnell

Geschwindigkeit ist der Feind des Lernens – zumindest am Anfang. Wenn du eine Passage zu schnell übst, trainierst du nicht nur die Noten, sondern auch jeden Fehler, der dabei passiert. Das Gehirn merkt sich beides gleich gut.

Viele Erwachsene denken: „Ich muss das langsame Üben so schnell wie möglich hinter mich bringen.“ Aber langsam üben ist das Üben. Es gibt keine Abkürzung.

Was du tun kannst: Nimm ein Metronom (oder eine Metronom-App) und stelle es auf ein Tempo, bei dem du die Stelle fehlerfrei spielen kannst. Das kann sehr langsam sein – und das ist vollkommen richtig so. Erst wenn es bei diesem Tempo zehnmal hintereinander sauber klappt, erhöhst du das Tempo um eine Stufe.

3. Du hast keinen klaren Lernweg

YouTube hat das Gitarrenlernen demokratisiert – das ist großartig. Aber es hat auch ein Problem geschaffen: unendlich viele Videos, Tutorials und Tipps, die sich gegenseitig widersprechen. Heute lernst du Pentatonik, morgen Barré-Akkorde, übermorgen Fingerpicking.

Ohne roten Faden sammelst du Wissen, ohne es wirklich aufzubauen. Wie ein Haus, das du stockwerksweise baust – aber ohne Fundament.

Was du tun kannst: Entscheide dich für einen Weg und folge ihm konsequent. Was möchtest du in drei Monaten können? In sechs Monaten? Mit einem konkreten Ziel lässt sich viel gezielter lernen.

4. Du machst zu lange Pausen zwischen den Einheiten

Einmal pro Woche dreißig Minuten ist besser als einmal pro Monat drei Stunden. Das Gehirn braucht Wiederholung in regelmäßigen Abständen, um Dinge wirklich zu speichern – das nennt sich „spaced repetition“ und ist einer der am besten erforschten Mechanismen des Lernens.

Gerade für Erwachsene, die neben Beruf und Familie lernen, ist das eine echte Herausforderung. Aber schon zehn bis fünfzehn Minuten täglich – auch nur an drei bis vier Tagen pro Woche – machen langfristig einen enormen Unterschied.

Was du tun kannst: Stell die Gitarre sichtbar hin. Nicht im Koffer, nicht im Keller – sondern dort, wo du sie siehst. Eine Gitarre, die du siehst, nimmst du in die Hand. Eine Gitarre im Koffer nicht.

5. Du bekommst kein ehrliches Feedback

Wenn du allein übst, hörst du dich selbst – aber du hörst dich nicht so, wie andere dich hören. Und vor allem erkennst du nicht, warum etwas nicht klingt. Liegt es am Griffdruck? Am Winkel des Fingers? Am Timing? Am Anschlag?

Ohne jemanden, der von außen schaut und zuhört, kann man jahrelang einen kleinen Fehler mitschleppen, der alles andere bremst.

Was du tun kannst: Nimm dich beim Spielen auf Video auf. Schon das allein hilft enorm – weil du dich plötzlich von außen siehst. Und wenn du wirklich vorankommen willst: Ein erfahrener Lehrer erkennt in einer einzigen Stunde, was dich wirklich aufhält.

Zusammenfassung: Das sind die 5 Gründe

  • Du übst das Falsche – oder auf die falsche Art
  • Du übst zu schnell
  • Du hast keinen klaren Lernweg
  • Du machst zu lange Pausen zwischen den Einheiten
  • Du bekommst kein ehrliches Feedback

Keiner dieser Punkte hat mit Talent zu tun. Alle sind lösbar.

Und jetzt?

Wenn du dich in mehreren dieser Punkte wiedererkennst, ist das eigentlich eine gute Nachricht: Es bedeutet, dass das Problem nicht du bist – sondern die Art, wie du bisher gelernt hast. Das lässt sich ändern.

Wenn du wissen möchtest, was bei dir konkret fehlt, biete ich eine kostenlose Probestunde an. Wir schauen gemeinsam, wo du gerade stehst, was dich aufhält – und ich zeige dir, wie ein klarer Lernweg für dich aussehen könnte.

→ Jetzt Probestunde vereinbaren: https://www.gitarrenschule-wien.at/#kontakt


Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis man auf der Gitarre hörbare Fortschritte macht?
Mit regelmäßigem Üben – drei bis vier Mal pro Woche, je 15–20 Minuten – sind erste spürbare Fortschritte meist nach vier bis acht Wochen zu hören. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Regelmäßigkeit.

Ist es als Erwachsener schwerer, Gitarre zu lernen?
Erwachsene lernen anders als Kinder – aber nicht schlechter. Sie verstehen schneller, warum etwas so gemacht wird, können sich besser konzentrieren und sind motivierter. Was Erwachsenen manchmal fehlt, ist die Zeit und die Geduld mit sich selbst. Beides lässt sich trainieren.

Wie oft sollte ich als Erwachsener Gitarre üben?
Lieber täglich 15 Minuten als einmal pro Woche 90 Minuten. Regelmäßigkeit schlägt Intensität – das gilt besonders für Erwachsene, weil das Gehirn mit zunehmendem Alter mehr Wiederholung braucht, um Neues zu verankern.

Brauche ich einen Gitarrenlehrer oder reicht YouTube?
YouTube ist ein gutes Ergänzungswerkzeug. Als einzige Lernquelle hat es aber einen entscheidenden Nachteil: Es gibt kein Feedback. Fehler werden nicht erkannt und können sich festsetzen. Ein Lehrer spart langfristig Zeit – weil er verhindert, dass du Dinge falsch lernst, die du später mühsam wieder umlernen musst.

Verwandte Themen